Monat: Mai 2016

Endlich sind sie da!

Endlich sind sie da!

Ich freue mich sehr, dass die lang ersehnten Keile endlich eingetroffen sind. Diese finden vor allem im SOT (Sacro-Occipital-Technik) nach Dr. Dejarnette Verwendung.

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Dr. Major Betrand Dejarnette1 (1899 – 1992) war ein amerikanischer Osteopath und Chiropraktiker, der in den 1920er Jahren die sogenannte Sacro-Occipital-Technik (SOT) entwickelt hat. Es handelt sich um ein Diagnosesystem aus der Chiropraktik, das Beckenläsionen (lat. laesio = Verletzung) in drei Kategorien einteilt:

KAT 1

KAT 2

KAT 3

KAT 1

Die Kategorie 1 im SOT System beschreibt die Beckenverwringung, d.h. eine Darmbeinschaufel (Ilium) ist nach vorne (anterior) und ein Darmbein ist nach hinten (posterior) verschoben. Über die Spannungen in den Muskulaturen kommt es zu Störungen im System der Hirnhäute und im Fluss der Hirnflüssigkeit (Liquor). In diesem Stadium gibt es noch keine Störung des Kreuzbein-Darmbeim-Gelenks (Ilio-Sacral-Gelenk = ISG). Bei Patienten fällt bei der Untersuchung ein Schwanken von vorne nach hinten auf, der sogenannte A-P sway (A= anterior/vorne, B= posterior/hinten).

KAT 2

Bei der Kategorie 2 im SOT-System handelt es sich bereits um eine knöcherne Störung des Ilio-Sacral-Gelenkes mit Beteiligung des entsprechenden Bandapparates, die sich aus einer unbehandelten KAT 1 entwickeln kann. Bei der Untersuchung des Patienten findet sich eine Beinlängendifferenz und ein Schwanken zur Seite. Durch das instabile ISG-Gelenk werden die Bänder (Ligamente) des ISG stark belastet, es kann zu Mikrotraumen und Rissen kommen. Die entsprechenden Muskeln müssen dies ausgleichen, es entstehend Dysbalancen im ganzen Körper, die Patienten berichten vor allem über Rückenschmerzen.

KAT 3

Die Kategorie 3 kann sich aus einer unbehandelten Kategorie 2 entwickeln. Das instabile Ilio-Sacral-Gelenk kann die Belastung nicht mehr kompensieren, die Störung wird quasi an die nächsten Strukturen ,weitergereicht‘, dies wäre das Gelenk zwischen dem 5. Lendenwirbel (L5) und dem Kreuzbein (Os sacrum)2  = Lumbosacralgelenk. Das Lumbosacral-Gelenk, dessen Bandscheiben und einem bestimmten Band (Faserverbindung) zwischen 5. Lendenwirbel und Ilium (Darmbeinkamm), das sogenannte Ligamentum (Band) Iliolumbale. Des weiteren sind noch zwei Muskeln betroffen, der Psoas- und der Piriformis-Muskel. Vor allem der Piriformis-Muskel kann den Ischiasnerv reizen (dazu in mehr in einem späteren post).

Der Psoas Muskel3/4 hat seinen Ursprung an den Wirbelkörpern des 12. Brustwirbels bis hin zum 5. Lendenwirbel und zieht zu einem Knochenvorspung des Oberschenkelhalses (Trochanter minor femoris). Er sorgt für die Beugebewegung (Flexion) und die seitliche Heranführung/Anlegung des Oberschenkels (Adduktion).

Die KAT 3 ist mit großer Vorsicht zu behandeln, da es sich hier bereits um einen Bandscheibenvorfall handeln kann. Da der Psoas Muskel mit Fasern in die Bandscheiben des 5. Lendenwirbels einstrahlt, kann sich die Problematik evtl. verschlimmern, wenn der Muskel anspannt. Die Symptome können u.a. Schmerzen im Lendenwirbelbereich sowie ins Bein ausstrahlend sein, eine Schonhaltung wird ebenfalls beobachtet. Schlimmstenfalls kommt es zum sog. ‚Cauda equina‘ Syndrom5 mit Störungen der Defäkations- (Stuhlentleerungsstörung) und Miktionsstörung (Blasenentleerungsstörung).

Das Cauda-Equina Syndrom ist ein Querschnittssyndrom mit Nervenschädigung und stellt einen Notfall dar, der eine sofortige Einweisung ins Krankenhaus und Operation nötig macht.

Bei der Behandlung kommen nun die Keile und das Unterlegbrett zum Einsatz: die großen Keile werden in bestimmte Richtungen unter die Darmbeine (Ilium) und/oder die oberen/unteren Extremitäten gelegt. Den kleinen Sacrum (Kreuzbein) Keil kennen meine Patienten schon, er wird unter das Sacrum gelegt, um die untersuchten Beckendysfunktion kurzfristig ‚auszuschalten‘, um dann am Cranium zu arbeiten.

Danach werden mit kinesiologischen (neurologischen) Muskeltests mit Muskulaturen so eingestellt, dass sie ’normoton‘ reagieren. Das bedeutet laut Definition:

„Der Muskelkomplex kann während des definierten Muskeltestvorgangs der Kraft widerstehen, die der Untersucher ausübt und kann während des Tests die Testposition beibehalten. Der Muskelkomplex wird ’normoreaktiv‘ genannt, wenn […] durch eine der folgenden Massnahmen inhibiert (funkionell geschwächt) werden kann und damit eine Bewegung im Gelenk auftritt“.6

Zur funktionellen Schwächung des Muskels kann entweder die Stimulierung des zuordneten Akupunktur-Punktes oder aber die manuelle Verkürzung des Muskelbauches (Spindeln) gewählt werden.

Mehr zum Thema kinesiologische Muskeltests in einem späteren post.

Haben Sie Fragen oder Erfahrungen mit dem Thema SOT nach Dejarnette? Schreiben Sie mir gerne!

Quellen:

1 http://wikichiro.org/en/index.php?title=Major_Bertrand_DeJarnette

2 http://flexikon.doccheck.com/de/Lumbosakralgelen

3/4 http://flexikon.doccheck.com/de/Musculus_iliopsoas

3/4 Hans Garten, ‚Lehrbuch Applied Kinesiology‘ (Urban & Fischer, 2012) S. 473 ff.

5 http://flexikon.doccheck.com/de/Cauda-Equina-Syndrom

Hans Garten, ‚Lehrbuch Applied Kinesiology‘ (Urban & Fischer, 2012) S. 19 ff.

Ein schönes Wochenende!

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Dieser süße Plüsch-Wuschel und ich wünschen ein wunderbares Wochenende! Auch wenn das Wetter für Duisburg eher „mau“ werden soll und eine Unwetterwarnung ausgegeben wurde, haben Sie hoffentlich zwei erholsame freie Tage.

Meinen ganz besonderen Dank an die liebe Patientin, die mir das Hummelchen mitgebracht hat. Ich habe mich sehr gefreut und es hat einen Ehrenplatz in der Praxis bekommen.

In der nächsten Woche gibt es übrigens endlich wieder neue Artikel rund um das spannende Thema Osteopathie. Versprochen! 😉